Aus der
Geschichte Zavelsteins


Unser Städtchen kann auf eine über 600-jährige, geschichtlich bewegte Vergangenheit zurückblicken. Genaues über die Entstehung des Ortes läßt sich nicht ermitteln. Doch hängt seine Geschichte eng mit der Entwicklung der Burg zusammen. Diese wurde um 1100 als Vogtburg der damals reich begüterten Grafen von Calw erbaut. Erstmals urkundlich erwähnt ist Zavelstein im Jahre 1284, dem Todesjahr der letzten Gräfin von Calw, die auf Burg Zavelstein starb. Ende 1200 mußten die Ritter von Zavelstein bereits ausgestorben sein, denn die Herrschaft Zavelstein war im Besitz des Paul von Gültlingen, der sie 1290 an die Pfalzgrafen von Tübingen weiterverkaufte.


Zu Beginn des 14. Jahrhunderts gelangte die Grafschaft Calw in den Besitz des Hauses Württemberg. 1345 kauften Graf Eberhard II. und Ulrich IV. von Württemberg die Herrschaft Zavelstein als ehemaligen Teil der Calwer Grafschaft zu dieser hinzu. Im Jahre 1367 nahm Graf Eberhard II. nach dem Überfall in Wildbad Zuflucht auf Burg Zavelstein und gab der Ortschaft als Dank für den gewährten Schutz die Stadtrechte.


Die ehemalige Herrschaft Zavelstein umfaßte neben der Burg und dem Städtchen auch eine ganze Anzahl umliegender Orte, die zum "Zavelsteiner Ämtlein" zusammengeschlossen waren. Dieses unterstand zwar der Vogtei Calw, hatte aber eigenen Sitz und Stimme im Landtag. Zum Amt gehörten bis im Jahre 1806 die Gemeinden Holzbronn, Teinach, Breitenberg, Oberkollwangen, Schmieh, Emberg, Würzbach, Rötenbach, Weltenschwann, Spesshardt, Sommenhardt, Lützenhardt und Kentheim. Neben den Abgaben an die Burgherren mußten die Bewohner auch zahlreiche Frondienste für das Amt selbst verrichten (Natural-, Weg- und Weinfron, Unterhaltung der Mauer und des Pflasters im Städtchen, u. a.). Dafür bekamen sie die Berechtigung des Holzschlages im Fronwald.


Mit der Verlegung der selbständigen Pfarrei Kentheim nach Zavelstein im Jahre 1455 wurde unser Städtchen auch kirchlicher Mittelpunkt fast aller Amtsgemeinden. 1569 legte "Amptmann Schreck" einen neuen zentralen "Gotsacker" an. (Eine Inschrift am Eingang des heute noch bestehenden Friedhofes weist darauf hin).


Gegen Ende des Mittelalters wechselte die Herrschaft Zavelstein häufig ihre Lehensträger. Die Burg wurde vor allem im 16. Jahrhundert sehr vernachlässigt. Erst als sie 1594 dem Geschlecht der Buwinghausen von Wallmerode übergeben wurde, erlebte sie nochmals eine Aufwertung. 1620 wird sie durch Benjamin Buwinghausen wesentlich ausgebaut und erweitert. Die Grabsteine vieler Buwinghausen befinden sich noch heute in der Kirche.


Benjamin Buwinghausen kaufte 1624 zwei Brunnenadern in Rötenbach. Die Bewohner erhielten von ihm das Recht der Wasserentnahme. Dafür mußten sie aber die Teucheln (hölzerne Wasserleitung) und Brunnen in Ordnung halten und erneuern. Noch heute versorgt Zavelstein seine Brunnen mit Wasser aus diesen Quellen.


Im Bauernkrieg und auch im Dreißigjährigen Krieg wurde unser Städtchen nicht wesentlich zerstört, doch 1692 brannte es der französische General Melac vollständig nieder. Der Aufbau von Zavelstein im 18. Jahrhundert zehrte sehr am Vermögen der Einwohner. Der zentralen Stellung des Städtchens und seiner ehemaligen Bedeutung ist es zuzuschreiben, daß seine Bewohner nicht überwiegend Bauern waren, sondern daß es bis in unser Jahrhundert verhältnismäßig viele Bäcker, Metzger, Schuhmacher, Schneider, Kübler und Schmiede gab; am stärksten waren jedoch die Weber vertreten. Hanf und Flachs wurden auf den Feldern angebaut. In unserem Jahrhundert ging die Vielzahl der Handwerker allmählich zurück. Die Bevölkerung verringerte sich von 1830 bis zu Ende des II. Weltkrieges um etwa ein Drittel auf 250 Einwohner. Nach dem letzten Krieg entwickelte sich an den Hängen um den Ort eine rege Bautätigkeit. Durch seine schöne Lage auf der Bergnase und die Beliebtheit als Wohnsitz hat sich die Einwohnerzahl seither auf etwa 650 erhöht. Zavelstein war lange Zeit die kleinste Stadt Deutschlands.


Bereits im 18. Jahrhundert begann unser Städtchen mit seiner Burg, seiner einzigartigen Krokusblüte und seiner guten Luft die Fremden anzulocken. Heute hat es ganz den Charakter eines Fremdenverkehrs- und Erholungsortes. Diese Tatsache war in der Vergangenheit, sowie bei der Umgestaltung des Marktplatzes 1971/1972 und ist auch in der Zukunft bestimmend für die Entwicklung des Ortes und seiner Umgebung. Zwischenzeitlich ist Zavelstein ein Stadtteil von Bad Teinach-Zavelstein geworden. Das Stadtrecht, das Wappen und der Städtlesmarkt wurden auf die neue Gemeinde übertragen.


Zavelstein erhielt in den letzten Jahren im Wettbewerb
"Unser Dorf soll schöner werden"
2 x die Goldmedaille des Landes und eine Silbermedaille im Bundeswettbewerb.


Für den Aufbau des Wehrturmes erhielt der Schwarzwaldverein
die Medaille für Bürgeraktionen..


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